Wir schreiben unsere Geschichte weiter

Mit dem Humanistischen Institut für Bildungs-, Organisations- & Gesellschaftswandel

Chronik & Entstehung: Wie es zum HIBOG kam

​2005–2015: Ausbildungs- & Studienzeit, Praxis und fachliche Verdichtung

Diese Jahre waren geprägt von einer intensiven Ausbildungs- und Qualifikationsphase mit sozialpädagogischem Schwerpunkt. Erste praktische Erfahrungen sammelten sich über mehrere Monate in einer Kindertageseinrichtung sowie in einem Krankenhaus auf der Internistischen Station. Es folgten das erste Studium an einer Fachhochschule mit Stationen in der Schulsozialarbeit und ein Medienprojekt an einer Sekundarschule, das den bewussten Umgang mit Medien in den Mittelpunkt stellte.

Anschließend schloss sich das Studium für das Lehramt in Sozialpädagogik und Germanistik an einer Universität an, verbunden mit weiteren Praxisfeldern in Sozialpädagogik und Bildung. Darauf folgten Referendariat und didaktische Ausbildungsschwerpunkte. In den drei Abschlussarbeiten spiegelten sich bereits zentrale Schwerpunkte der heutigen Arbeit wider: die Sozialisation von Jugendlichen, die Unterstützung von Kindern und Jugendlichen in Familie und Schule, die berufliche Sozialisation angehender männlicher Erzieher sowie die Berufswahlmotivation sozialpädagogischer Assistentinnen und Assistenten.

  • Erkenntnis

    In diesen Jahren verdichteten sich fachliche Theorie, pädagogische Praxis und persönliche Reflexion in besonderer Weise. Zugleich wurde zunehmend deutlich, dass Organigramme und Hierarchien pädagogische Wirksamkeit häufig eher begrenzen als ermöglichen

  • Fokus

    Aus dieser intensiven Ausbildungs- und Praxisphase entstand die Überzeugung, dass pädagogische Professionalität nicht allein aus Methodenkompetenz oder curricularer Sicherheit erwächst. Entscheidend ist die innere Reife der handelnden Person, ihre Haltung sowie die Qualität der Beziehungen, die sie gestaltet. Bildung wurde zunehmend als Entwicklungsraum verstanden – nicht nur für Lernende, sondern auch für die pädagogisch Verantwortlichen selbst

2015–2023: Die Basis in der traditionellen Bildung

Der berufliche Weg führte 2015 in die klassische institutionelle Bildungsarbeit. Als Lehrkraft für Sozialpädagogik und Germanistik lag der Schwerpunkt in der Ausbildung angehender Erzieherinnen und Erzieher sowie in der Tätigkeit als Tutor im Beruflichen Gymnasium.

Die Arbeit war eingebettet in bestehende schulische Strukturen, curricular definierte Vorgaben und institutionelle Verantwortungsrahmen. Neben fachlicher Qualifizierung stand die Begleitung junger Menschen in einer Phase beruflicher und persönlicher Identitätsbildung im Mittelpunkt.

  • Erkenntnis
    Früh zeigte sich eine strukturelle Spannung: Bildungssysteme orientieren sich häufig primär an Funktionalität, Prüfungslogik und Verwertbarkeit. Persönliche Entwicklung, innere Stabilität und Beziehungskompetenz werden zwar implizit erwartet, jedoch nicht systematisch gefördert oder strukturell abgesichert

  • Fokus
    In dieser Phase verdichtete sich das zentrale Anliegen, mentale Gesundheit, pädagogische Haltung und ethische Verantwortung nicht als ergänzende Themen zu behandeln, sondern als Grundlage professioneller Handlungsfähigkeit zu verstehen

  • Es wurde deutlich, dass nachhaltige pädagogische Qualität nicht allein aus methodischer Sicherheit oder curricularer Präzision entsteht. Entscheidend sind Selbstreflexion sowie Selbstkenntnis, Belastungsregulation, Beziehungsfähigkeit und eine klare innere Ausrichtung

  • Mentale Gesundheit wurde als Voraussetzung für Professionalität begriffen – sowohl für Lernende als auch für pädagogisch Handelnde. Pädagogische Haltung wurde als verbindendes Element zwischen Fachwissen, Persönlichkeit und Organisationskultur verstanden

  • Parallel dazu gewann die Frage an Bedeutung, wie Organisationen gestaltet sein müssen, damit professionelle Integrität, Verantwortungsübernahme und Selbstführung nicht nur individuell eingefordert, sondern strukturell ermöglicht werden

2020–2024: Human¹ Education – Mentale Gesundheit im Bildungssystem

Mit Beginn der Pandemie im Jahr 2020 verlagerte sich der Schwerpunkt der Arbeit in die Bildungsinitiative Human¹ Education. Diese Phase war geprägt von fachlicher Positionierung, öffentlicher Reflexion und einer deutlichen thematischen Fokussierung auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Bildungssystem.

Bereits hier zeigte sich ein evolutionäres Arbeitsverständnis: Die inhaltliche Ausrichtung entstand nicht aus strategischer Planung im klassischen Sinn, sondern aus aufmerksamem Wahrnehmen der Situation, dem ernsthaften Erfassen der Belastungen von Kindern, Jugendlichen und Familien sowie einer responsiven fachlichen Antwort darauf. Dieses Prinzip – Wahrnehmen, Spüren, Antworten – gehört zu einem prägenden Merkmal einer evolutionären, lebendigen Organisationseinheit.

  • Das Zeitdokument
    In dieser Phase entstand ein Vortrag zur mentalen Gesundheit im Kontext von Schule und Familie. Er dokumentiert die spezifischen Herausforderungen der Krisenzeit und formuliert die Notwendigkeit, psychische Stabilität, Beziehungssicherheit und pädagogische Haltung systematisch zu berücksichtigen

  • Wirkung
    Digitale Formate, Veröffentlichungen und Vorträge erreichten ein breites Publikum. Mentale Gesundheit wurde nicht nur als individuelles Thema, sondern als strukturelle Bildungsaufgabe beschrieben

  • Strukturelle Spannungen
    Die öffentliche Positionierung machte zugleich die Grenzen bestehender institutioneller Ordnungsrahmen sichtbar

  • Fachliche Impulse zur mentalen Gesundheit stießen nicht nur auf Zustimmung, sondern teilweise auch auf Zurückhaltung und kritische Rückmeldungen innerhalb etablierter Strukturen

  • Es zeigte sich, dass nachhaltige Veränderungen nicht allein durch inhaltliche Beiträge entstehen, sondern organisationale Voraussetzungen, Verantwortungsübernahme und strukturelle Offenheit erfordern

  • Die Erfahrungen dieser Phase verdeutlichten, dass Entwicklungsräume dort an Grenzen stoßen, wo Hierarchien, ordnungsbasierte Zuständigkeitslogiken oder formale Rahmenbedingungen Innovation erschweren

  • Daraus wuchs die Überzeugung, dass tragfähiger Wandel neue Formen der Zusammenarbeit, Führung und institutionellen Gestaltung benötigt, um pädagogische Qualität und mentale Gesundheit langfristig zu sichern

  • Transfer in die Bildungslandschaft

    In dieser Phase wurden über 40 Schulvorträge in unterschiedlichen Bundesländern durchgeführt

Seit Oktober 2024: Systematisierung am HIBOG

Im Oktober 2024 mündete die bisherige Entwicklung in die Gründung des Humanistischen Instituts für Bildungs-, Organisations- & Gesellschaftswandel (HIBOG) – konzipiert als selbstlernende, lebendige Weiterbildungseinrichtung.

  • Vom Individuum zum System
    Was als pädagogische Praxis begann, wurde am HIBOG zu einem integral-transformativen Ansatz systematisiert und im HIBOG-Modell gebündelt. Der Fokus verlagerte sich von der individuellen Intervention hin zur strukturellen Gestaltung von Bildungs- und Organisationskontexten

  • Sarah Modder

    unterstützt das HIBOG im Hintergrund in organisatorischen und kreativen Prozessen

  • Vision & evolutionärer Sinn
    Im Zentrum steht die Vision einer schrittweisen Vermenschlichung unserer Arbeits- und Bildungswelt. Gemeint ist die konsequente Ausrichtung organisationaler Strukturen an Entwicklungsfähigkeit, Verantwortung und Beziehungskultur

  • Mission 2035
    Der Schwerpunkt weitete sich von der direkten Arbeit mit Lernenden auf die Qualifizierung von Fach- und Führungskräften. Ziel ist der Aufbau selbstlernender, lebendiger Organisationsformen, die professionelle Integrität, Selbstführung und systemische Verantwortung ermöglichen

  • Berufsbild „Studienbegleitung“
    Mit dem HIBOG wurde die Berufsrolle Studienbegleitung konzeptionell eingeführt – als eigenständiges professionelles Profil für akademische sowie berufliche Bildung und Weiterbildung. Sie verbindet Fachlichkeit, Prozessbegleitung und organisationale Entwicklungsverantwortung

  • HIBOG-Botschafter/in
    Im Rahmen der Weiterbildungen entstand die Rolle der HIBOG-Botschafterin bzw. des HIBOG-Botschafters. Sie steht für Multiplikation, Transfer und verantwortliche Mitgestaltung des Ansatzes in unterschiedlichen Praxisfeldern

  • Education Angels
    In der praktischen Arbeit als Education Angels arbeiten wir mit abschlussgefährdeten Jugendlichen. Dabei wird der Mythos standardisierter Bildung kritisch hinterfragt und die Wirksamkeit autonomer Bildung im Sinne des HIBOG-Modells exemplarisch umgesetzt

Fachliche Referenzen zur Institutsgeschichte

Für alle, die den konzeptionellen Weg sowie die Auseinandersetzung mit dem Spannungsfeld zwischen Institution und Individuum nachvollziehen möchten:

2021: Zeitdokument aus der Pandemiephase – Fachvortrag zur mentalen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Bildungssystem

2025: Kritische Reflexion der Rolle als Lehrkraft – Würde, Verantwortung und institutionelle Rahmenbedingungen im Umgang mit jungen Menschen

Das Humanistische Institut heute

Arbeit und Bildung verstehen wir heute als Entwicklungsräume für Selbstführung, Verantwortungsübernahme und tragfähige Gemeinschaftsbildung. Aus einer Phase tiefgreifender institutioneller Spannungen ist die Entscheidung hervorgegangen, tragfähige und menschenorientierte Alternativen nicht nur zu formulieren, sondern strukturell umzusetzen.

Das HIBOG arbeitet heute als selbstlernende, lebendige Weiterbildungseinrichtung. Es verbindet Qualifizierung, Organisationsentwicklung und gesellschaftliche Perspektive. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu gestalten, in denen Professionalität, Menschlichkeit und Entwicklung nicht im Widerspruch stehen, sondern sich wechselseitig stärken.

Gleichzeitig bietet das HIBOG Orientierung und Unterstützung für Fach- und Führungskräfte, die an der Schwelle zu neuen Entwicklungen stehen und den Eindruck haben, in bestehenden Strukturen festzustecken. Durch praxisnahe Impulse, systemisches Denken und partizipative Prozesse wird Mut gefördert, neue Schritte zu wagen und selbstverantwortlich Veränderung zu gestalten.

Die Geschichte unseres Humanistischen Instituts ist der Weg von der praktischen Arbeit in traditioneller Bildungsumgebung hin zur Gestaltung einer integralen Arbeits- & Bildungstransformation. Sie dokumentiert die Entwicklung einer Haltung, die Professionalität und Menschlichkeit als Einheit begreift.

Erschöpfung ist niemals ein Signal, noch mehr zu leisten. Sie zeigt an, dass es Zeit ist, etwas anderes zu tun - auch (und gerade) wenn es radikal anders ist

Aliza Shapiro

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